Vaastu-Shastra, die indische Lehre vom Wohnen

Vaastu-Shastra, die indische Lehre vom Wohnen
Ganz gleich ob Vastu, Vaastu, Vaastu-Shastra, Vastu-Shastra, Vasati oder vedische Baukunst geschrieben, bei allen Begriffen und Formulierungen geht es um ein und dasselbe - die indische Lehre vom Wohnen.
Der Begriff Vastu kommt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Natur, Umgebung, Umwelt. Das Vaastu-Shastra, die indische Lehre vom Wohnen, leitet sich aus dem Vastu ab und bezieht sich speziell auf die Gestaltung von Wohnhäusern, Gebäuden, Städten und Landschaften - im Einklang mit den Naturgesetzen. In Indien hat Vastu inzwischen eine über 5.000 Jahre alte Tradition. Vastu geht davon aus, dass auf unseren Planeten verschiedenste Energien einwirken: die Strahlen der Sonne, die Anziehungskraft des Mondes, aber auch magnetische, bio-elektrische und thermische Energiefelder.
Weitere naturgegebene Gesetzmäßigkeiten, die im Vastu berücksichtigt werden, sind die Eigenschaften der fünf Elemente: Erde (Bhumi), Feuer (Agni), Wasser (Jala), Luft (Vayu) und Äther bzw. der Raum (Akasha). Diese fünf Elemente finden sich auch bei der Zuordnung zu den drei Doshas wieder. So besteht Vata zu je 50% aus Luft und Äther, Pitta zu 80% aus Feuer und 20% aus Wasser sowie Kapha zu je 50% aus Erde und Wasser.
Neben diesen Einflüssen nehmen im Vastu die Grundstücks- und Gebäudestrukturen sowie die Umgebung, in der wir leben und arbeiten, einen sehr hohen Stellenwert ein. Die Lage bzw. Ausrichtung der Grundstücke sowie die Gestaltung, Platzierung und der Bau von Gebäuden spielen eine wichtige Rolle dabei, in wie weit das Leben und die Entwicklung in einer negativen oder positiven Richtung beeinflusst wird. Vastu zeigt die Wechselwirkungen zwischen Grundstücken und Gebäuden sowie dem Wohlbefinden und der Gesundheit der Bewohner, die dort leben und arbeiten. Vastu bringt den Menschen wieder in Einklang mit der Natur und den Naturgesetzen.
Alles, was mit der Natur und dem Leben in Verbindung steht, unterliegt einem zyklischen Kreislauf. Am Tag folgen dem Morgen, der Mittag und der Abend und nach der Nacht wieder der Morgen. Ebenso verhält es sich mit den Jahreszeiten. Im Ayurveda wird dieser immerwährende Kreislauf „Samsara“ genannt. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und steht für den ewigen Kreislauf sowohl im zeitlichen Sinn (Tage, Jahre) als auch darüber hinaus -bezogen auf den Glauben- an die Wiedergeburt in neue Leben. Rhythmusgeber sind Sonne und Mond und deren Einfluss auf den Menschen. Ähnlich wie im fernöstlichen Feng Shui handelt es sich bei Vaastu (oder auch Vastu-Shastra) um eine ganzheitliche Architekturlehre. Die traditionelle indische Lehre vom harmonischen Wohnen, Bauen und Leben soll innere Klarheit und äußere Ordnung schaffen. Indem die Räumlichkeiten direkt an die individuellen Bedürfnisse der darin lebenden Menschen angepasst werden, wird das Lebensgefühl positiv beeinflusst und somit auch die Gesundheit unterstützt. Vastu wirkt heilend und Vastu-Berater sind wie heilende Ärzte des Raumes. Sie aktivieren die für den Menschen förderlichen Energien und wenden die negativen Auswirkungen ab. Mit einer guten Beratung ist eine Verbesserung der aktuellen Lebenssituation fast immer möglich. Nach klar strukturierten Regeln und Prinzipien, wird bereits beim Kauf oder der Anmietung von Grundstücken, Häusern und Wohnungen, aber auch in der Anordnung von Räumen, Fenstern und Türen, auf die Gesetze der Natur nach dem Ayurveda Rücksicht genommen.
"Zuerst formt der Mensch das Gebäude, dann das Gebäude den Menschen." (Sir Winston Churchill)
Was ist zu berücksichtigen, wenn man ein Gebäude im Einklang mit den Naturgesetzen nach Vaastu errichten möchte? Weniger, als es vielleicht den Anschein hat. Dazu eine wichtige Anmerkung vorab: Nicht nur bei Neubauprojekten, sondern auch bei bereits bestehenden Objekten – vorausgesetzt, die Gesetzmäßigkeiten bei Planung und Umsetzung sind nicht berücksichtigt worden – können zuvor gemachte Fehler korrigiert werden. Dazu bedarf es einer umfassenden Analyse des Objektes und den erforderlichen Korrekturen. Bei Häusern sind, im Gegensatz zu Wohnungen, noch Grundstücke vorhanden, die ebenfalls einer genauen Betrachtung unterzogen werden müssen.
Dabei gilt es, einige essentielle Punkte zu berücksichtigen. Grundlegend ist zunächst, die Ausrichtung eines Objektes exakt nach den Himmelsrichtungen von Nord nach Süd oder Ost nach Westen anzustreben, da dies am vorteilhaftesten ist. Abweichungen bis zu einer gewissen Gradzahl sind möglich. Daneben spielen die Eingänge im Vaastu eine sehr wichtige Rolle sowie:
∞ Lage von Treppen, Küche, Toiletten
∞ Raumaufteilung im Haus
∞ Proportionen von Grundstücken, Häusern und Räumen
∞ Gefälle auf dem Grundstück
∞ Form des Grundstücks und des Hauses
∞ Lage des Grundstücks zur Straße
∞ Abstand des Hauses zu Nachbargebäuden
∞ Position des Hauses auf dem Grundstück
∞ Zufahrt zum Grundstück
Ferner sind es Größe und Proportionen von Eingängen, Anzahl und Lage der Fensteröffnungen, Öffnungsrichtungen von Türen etc., die es zu beachten gilt. Sie sind zwar auch wichtig für ein gutes Vaastu, aber nicht so essentiell. Darüber hinaus ist es ebenfalls wichtig, auch auf das direkte Umfeld zu achten. Gibt es Berge im Norden, Nordosten oder Osten, die die aufgehende Sonne verdecken? Wie ist es mit der Lage von Wasserflächen wie Seen oder Flüssen in der unmittelbaren Umgebung? Das sind alles Aspekte, die in eine Diagnose mit einfließen.
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